Donnerstag, 23. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!!


Morgen ist Weihnachten! Das Fest der Liebe und der Familie, eine Zeit, in der man Abstand vom Alltag und Stress nimmt, um näher zueinander zu finden. Wenn im Kalender nicht schon der 23. markiert wäre, würde ich es niemals glauben. Es fehlen mir die eigene Familie, die Freunde und das vertraute Umfeld um dies wirklich zu empfinden. Auch das Wetter täuscht mir was anderes vor. Durch die Hitze erscheint es mir, als wäre ich im tiefsten Sommer. Setzt man einen Fuß vor die Tür, so dauert es nicht lange bis man anfängt zu schwitzen.
Gerne würde ich die Feiertage mit meiner Familie in Deutschland verbringen, die verschneite Winterlandschaft erleben und vor allem die weihnachtliche Geborgenheit von zu Hause empfinden. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit fehlt mir das alles sehr und es macht mich ein stückweit traurig.
Ich werde dieses Jahr Weihnachten mit meiner kolumbianischen Familie in Cúcuta verbringen. Viel Familie, viele Verwandte, Bekannte und Freunde kommen zusammen und feiern alle gemeinsam. Man isst zusammen, geht auf die Straßen und teilt sein Glück mit anderen Menschen. Und doch werde ich mich wohl einsam fühlen. So weit weg, in einer neuen Umgebung und das erste Mal ohne meine Eltern und meinen Bruder. Eine Erfahrung die zwar schwierig, aber sicherlich auch sehr wichtig im Leben ist. In den nächsten Tagen werde ich noch einmal genauer über die Weihnachtsbräuche und Heiligabend in Kolumbien berichten und erzählen wie es mir in den Feiertagen ergangen ist.

Und das wichtigste zum Schluss: Feliz Navidad! Ich wünsche allen frohe Weihnachten und einige noch schönere Feiertage. Ich hoffe, dass ihr Weihnachten zusammen mit eurer Familie genießen könnt und dass ihr die Zeit glücklich und gesund miteinander verbringt. Das ist das aller Wichtigste! Herzlichste Grüße aus dem heißen Kolumbien.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Zwischenbericht aus Cúcuta


Drei Monate bin ich bereits in Kolumbien. Diese Tatsache wurde mir vor einigen Tagen plötzlich bewusst, als ich daran erinnert wurde, meinen ersten Zwischenbericht für das BMZ schreiben zu müssen. Ich möchte mich an dieser Stelle kurz entschuldigen, dass ich mittlerweile schon seit 8 Wochen nicht mehr in meinem Blog geschrieben habe. Den Bericht will ich dazu nutzen, um einen neuen Anfang zu fassen und dann hoffentlich wieder regelmäßiger zu schreiben.

Einleitung:
Vor knapp 3 Monaten, am 18. September 2010, hieß es für mich: Die Reise geht los. „Kolumbien“ hieß mein Ziel. Ein Wort, ein Name, ein Land, das in mir die verschiedensten Gefühle auslöste. Ohne eine wirkliche Vorstellung was mich dort erwarten würde oder wie meine neuen Lebensumstände im nächsten Jahr aussehen würden, machte ich mich auf den Weg. Viel schlimmer noch: Viel Negatives über das Land, beinahe das einzige, was ich bis dahin darüber wusste, ließen eine Zeit lang sogar in mir ein gewisses Gefühl von Angst entstehen. Kolumbien, das Land der Drogen und des Kokain, Herberge von gewalttätigen Gruppierungen wie der Guerilla oder der M-19, Schauplatz einer ständig präsenten Armut und Wohnort von Menschen, die bereits für kleine Beträge bereit sind zu morden.
Und so stellte ich mir einige Wochen vor meiner Abfahrt eine Frage selbst immer mal wieder. Wieso habe ich mir ein solches Land ausgesucht, das voll von Gefahren und Bedrohungen ist und wo ich meine Sicherheit und Freiheit ein stückweit verlieren würde? Die Antwort, die ich mir selber gab, war folgende. Ich wollte in ein Land fernab von Deutschland, in dem Hilfe noch von Bedeutung ist und die Menschen darauf angewiesen sind, ein Land, das mir ein vollkommen neues Lebensumfeld und Abwechslung bietet, ein Land, wo nicht die gewohnte Ordnung herrscht, ein Land, das aufgrund seiner geographischen Lage in einem für mich noch unbekanntem Kontinent, klimatische und kulturelle Neuheiten aufweist, ein Land, in dem ich meine, in der Schule gelegten, Spanischkenntnisse erweitern könnte und ein Land, das reich an Abenteuern ist. Nach diesen Wünschen schien die Wahl gar nicht mehr so Unverständlich. Das Land des Kaffees und der Bananen sollte also meine Heimat für ein ganzes Jahr werden: KOLUMBIEN!

Erfahrungen aus Kolumbien:
Für mich Begann schon die Reise nach Kolumbien mit einem kleinen Abenteuer. Da mein Flug nach Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, mit einigen Stunden Verspätung ankam, hatte ich keine Möglichkeit mehr meinen Anschlussflug nach Cali zu erreichen. Dieser war schon lange bevor ich überhaupt in Bogotá angekommen bin abgeflogen. Hinzu kam, dass es bereits Nacht war, sodass es am gleichen Tag keine Möglichkeit mehr gab nach Cali weiterzufliegen. Also stand fest, dass ich meine erste Nacht in Bogotá übernachten würde. Dank des zuverlässigen Service der kolumbianischen Fluggesellschaft konnte ich jedoch, nach einer 3-stündigen Nacht im Hotelzimmer, am nächsten Morgen problemlos weiterfliegen. Wenn auch mit einem halben Tag Verspätung, wurde ich so von Cali mit strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen begrüßt. Genauso warm und herzlich war auch die Begrüßung der kolumbianische Menschen und meiner Gastfamilie. Meine zuvor geschürten Befürchtungen und Ängste lösen sich nach meiner Ankunft auf. Schnell merkte ich, dass Einschränkungen und Gefahren durchaus präsent sind, dass man sich jedoch mit einiger Vorsicht und einigen Regeln sicher fortbewegen kann. Die Bedenken und die Ungewissheit wandelten sich nach und nach immer weiter zu einem Wohlgefühl um.
Die Reise führte mich also erstmal nach Cali, wo ich die ersten 2 Wochen zusammen mit etwa 20 anderen Deutschen meiner Organisation, der „Schule fürs Leben eV“ verbrachte (span.: „Escuela para la Vida“). Erst danach sollte ich alleine Richtung Cúcuta aufbrechen, derjenigen Stadt, wo mein Projekt schon auf mich gewartet hat. In diesen ersten beiden Wochen galt es sich einzuleben, sich teilweise an die neuen Lebensumstände, das Klima und das kolumbianische Essen zu gewöhnen, das erste Mal seine Spanisch-Kenntnisse anzuwenden und wichtige Formalitäten, wie die Beantragung eines „Ausländerpasses“, zu erledigen. So standen auf dem Programm die verschiedensten Dinge. Auch wenn in dieser ersten Zeit die Ungewissheit weiterhin präsent war und ich in Gedanken schon in Cúcuta und meinem Projekt war, war die Zeit dennoch sehr interessant. Vor allem hatten wir die Gelegenheit das kolumbianische Ambiente einzuatmen und uns erste Eindrücke von dem schwülen Klima, den vielen Menschen auf den Straßen, dem überall vorherrschendem Chaos und der neuen Umgebung zu machen.
Ein weiterer besonderer Programmpunkt dieser beiden Wochen war auch das Arbeiten mit den Freiwilligen an der verschiedenen Bauprojekten an der von der Organisation aufgebauten Schule „Colegio de las Aguas“ in Montebello, einem Flüchtlingsort am Rand von Cali, der von Armut und Bedürfnissen gezeichnet ist. Wir Freiwilligen haben in dieser Zeit in kleinen Gruppen an verschiedenen Projekten gearbeitet. U.a. wurde an einem weiteren Schulgebäude aus Bambus weitergebaut, die Schulanlage begrünt, eine Tischtennisplatte aufgestellt und mit Arbeiten für ein riesiges Klettergerüst, der „Regenbogenburg“ (ebenfalls aus Bambus), begonnen. Nach diesen ereignisreichen ersten Tagen in Cali, begann dann für mich die Reise nach Cúcuta. Hier arbeite ich bereits seit etwa 2 Monaten an dem so gennannten „Colegio Face“, einer Schule der Partnerorganisation „Fundación para la Actualización de la Educación“.

Colegio Face, Cúcuta:
Das Colegio Face ist eine kleine, sich noch im Aufbau befindende Schule, in der kolumbianischen Millionenstadt Cúcuta. Erwähnenswert ist in erster Linie das besondere Lernkonzept, das hier angewendet wird, denn die Schule bietet eine, im Vergleich zu konventionellen Schulen, alternative Ausbildungsweise. Einige Merkmale möchte ich an dieser Stelle herausgreifen: Die Schüler erhalten keine Noten, schreiben keine Klausuren, bekommen keine Hausaufgaben und arbeiten nicht nach festgesteckten, starren Lehrplänen. Vielmehr ist alles individuell auf jeden Schüler ausgerichtet. Leistungsdruck und Ängste sollen vermieden, Eigenverantwortlichkeit und Liebe vermittelt werden. Das Konzept wurde vor 28 Jahren entwickelt und wird seitdem mit Erfolg in Bogotá angewendet. Viele der ehemaligen Schüler haben bereits ihr Studium auf hohem Niveau beendet und arbeiten jetzt in verantwortungsvollen Positionen. Einige von ihnen konnte ich bei einem großen einwöchigen Treffen in Bogotá kennenlernen, genauso wie andere ehemalige und zurzeit studierende Schüler. Und einen Gedanken haben alle gemeinsam: Die Zufriedenheit Teil von Face gewesen zu sein.
Vor etwa einem Jahr entstand die Schule in Cúcuta, an der ich für insgesamt ein Jahr arbeiten werde. Die Schule orientiert sich an ihrem Vorläufer aus Bogotá, jedoch mit einem bedeutenden Unterschied. Alles ist noch neu und befindet sich im Aufbau: Die Schule hat gerade einmal 45 Schüler im Alter von 3 bis 17 Jahren, die Räumlichkeiten sind provisorisch und sollen in den nächsten Jahren bedeutend ausgebaut werden und die Leute müssen noch Vertrauen mit dem neuen und verständlicherweise Zweifel hervorbringendem Konzept finden. Ich für meinen Teil kann nach kurzer Zeit schon sagen, dass ich begeistert bin. Ich sehe in Face viel mehr als nur eine gewöhnliche Schule. Vielmehr ist es eine große Familie. Häufig wünsche ich mir, die Zeit zurückdrehen zu können und selber als Schüler am Colegio Face anzufangen.

Meine Aufgaben im Colegio Face:
Mit Vorfreude und Aufregung, machte ich mich bei meiner Ankunft in Cúcuta, direkt vom Flughafen auf den Weg zur Schule. Die Kinder hatten mich bereits neugierig erwartet. Durch einen sehr herzlichen Empfang ahnte ich sofort, dass die Schule etwas Besonderes ist und dass ich mich hier später wohlfühlen würde. Die herzliche Atmosphäre und ein lockeres Miteinander erlaubten mir schnell einen Platz zwischen den Lehrern und den Schülern zu finden. Seit bereits 2 Monaten bin ich hier nämlich mit einem festen Stundenplan eingebunden und unterrichte die Kinder in den Fächern Englisch und zu einem kleinen Teil in Sport. Da es der Schule an den notwendigen Geldern fehlt, um einen weiteren Lehrer einzustellen, lag die Idee nahe, dass ich diese Lücke ausfüllen und die anderen Lehrer entlasten könnte. Dabei wird von mir viel Eigeninitiative und Verantwortung gefordert, denn bei der Unterrichtsgestaltung, bzw. Unterrichtsplanung bin ich größtenteils auf mich alleine gestellt. Abgesehen von meinen Beobachtungen als Schüler, anfangs noch ohne Erfahrungen mit dem Lehrerdasein und mit dem Ziel mir bei meiner Verständigung unter die Arme zu greifen, wurde ich in meinen ersten Stunden noch von einer weiteren Lehrerin begleitet. Doch bereits einige Stunden darauf, fing ich an die Kinder alleine zu unterrichten. Auch wenn es nicht immer ganz leicht war, muss ich sagen, dass die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen viel Spaß macht, insbesondere weil alle sehr zutraulich und offen sind. Allein die Freude in den Augen der Kinder reicht schon, um nach einem Arbeitstag mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen.
Wie gesagt liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit also auf dem Unterrichten des Faches Englisch. Mit einfachen Dialogen habe ich damit angefangen die einzelnen Schüler kennenzulernen und einen ersten Eindruck von dem Leistungsstand zu bekommen. Dabei ist mir eines schnell aufgefallen. Das Niveau der Schüler unterscheidet sich sehr stark. Einige sprechen gut Englisch und sind den anderen um Längen voraus, andere tun sich schwerer oder verstehen nur die einfachsten Ausdrücke. Das liegt wohl sicherlich daran, dass die Schule in ihrer jetzigen Form erst seit kurzer Zeit existiert und die Schüler aus verschiedenen Schulen zusammengekommen sind.
So machte ich mich auf die Suche nach einer geeigneten Lehrmethode, mit der ich alle fordern könnte und an der, wie es auch einer der Grundgedanken der Schule ist, alle Gefallen finden würden. So bin ich dazu gekommen mit den Schülern englische Lieder zu singen. Da im Colegio Face generell viel Wert auf Kunst und Musik gelegt und als eine wichtige Art sich auszudrücken gesehen wird, passte das ganz gut. Schüler denen die Sprache leichter fällt als anderen, können den schwierigen Teil übernehmen und sich beispielsweise an die Übersetzung machen, andere können sich langsam an die englische Sprache gewöhnen. Das wichtigste ist jedoch, dass jeder anfängt die Sprache anzuwenden und mit Spaß an der Sache ist.
Im folgenden Jahr werde ich dann zusätzlich damit beginnen, einen Deutschkurs an der Schule anzubieten. Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass sowohl Lehrer, als auch die älteren Schüler, sehr daran interessiert sind. Doch da es in diesem Jahr keine Zeit im Tagesrhythmus der Schule dafür gab, wurde dies bis jetzt nach hinten verschoben. Im neuen Kalenderjahr, wird jedoch bereits ein Platz dafür bereitgehalten.

Zusammenfassung:
Die Zeit bis jetzt ist schnell vergangen. „Kolumbien“ ist nun kein Fremdwort mehr für mich, denn bereits seit drei Monaten lese ich darüber im Wörterbuch des Lebens. Es ist eine ausführliche und emotionale Definition, in der ich auch etwas über mich gelernt habe. Die positiven Erfahrungen überwiegen klar, aber auf meiner Reise haben mich auch einige schwierige Situationen begleitet. Vieles Neues habe ich gesehen, vieles kennengelernt, und vieles mehr liegt noch vor mir. Ich schätze mich glücklich auf ein so schönes Projekt gestoßen zu sein, auf viele herzensgute Menschen und auf ein Land, das mir so vieles aufregendes und interessantes bietet. Einem jeden, der vor der Entscheidung steht, ein solches Jahr zu verbringen, würde ich dies nur weiterempfehlen.


Abschließend noch einige Eindrücke aus der Schule in Cúcuta:










Dienstag, 12. Oktober 2010

Cúcuta!


Die Zeit vergeht schnell! Seit etwas mehr als einer Woche bin ich nun schon in Cúcuta. Aus den 19 Mitbewohnern, die ich im Kloster hatte, sind jetzt 4 geworden, aus dem warmen und wechselhaften Wetter in Cali, heiße Temperaturen und strahlende Sonne, aus meiner Selbstversorgung mit den verschiedensten Früchten, typisch kolumbianische Küche und aus der Ungewissheit, was mich hier erwarten würde, endlich mehr Klarheit.

Vor meiner Ankunft galt der größte Teil meiner Hoffnungen und Bedenken der Gastfamilie, mit der ich das folgende Jahr zusammenleben würde. Schließlich sind es die Menschen, die mich in meinem Jahr ständig begleiten und mir als engste Freunde bei meinen Sorgen und Problemen zur Seite stehen werden.
Jetzt, nach der ersten Woche, kann ich beruhigt und zufrieden sagen, auf eine sehr herzliche und liebevolle Familie getroffen zu sein, die mich mit viel Offenheit aufgenommen hat und versucht mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich wohne für das Jahr zusammen mit Nelson und Carmenza, meinen Gasteltern, und Sebastian und Luna, meinen Geschwistern, die 8 und 4 Jahre alt sind. Auch wenn es nicht ganz einfach ist sich in einer anderen Familie einzufinden, fühle ich mich insgesamt wohl und freue mich schon auf die weitere gemeinsame Zeit.

Ansonsten hatte ich letzte Woche natürlich einige Tage Zeit, um mein eigenes Projekt kennenzulernen. Dabei finde ich das Lernkonzept, das hier angewendet wird,  besonders interessant, da es sich stark von dem Konzept einer normalen Schule unterscheidet. Die Kinder erhalten keine Noten für ihre Leistung, schreiben keine Arbeiten oder Klausuren und werden nicht in Schulklassen unterrichtet. Was im ersten Moment eigenartig klingt und viele Fragen aufwirft scheint gut zu funktionieren. Im Mittelpunkt steht nicht die Idee, dass der Schüler soviel Lernstoff wie möglich aufnimmt, sondern viel mehr seine Persönlichkeit. Es wird mehr Wert auf die persönliche Entwicklung und den Charakter der Schüler gelegt, als auf die eigentliche Lernleistung. Dem Schüler wird nichts aufgezwungen, sondern er soll Dinge nach seinem eigenen Rhythmus aufnehmen.
Am Ende eines jeden Quartals werden die vier Aspekte Arbeitseinstellung, Emotionen, Einfallsreichtum/Gedanken und Gruppenverhalten bewertet. Dies geschieht nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, durch die Zuordnung von Zahlen- oder Punktwerten, sondern durch gegenseitige Inbezugsetzung dieser vier Eigenschaften. Ein gutes Resultat entspricht einer ausgeglichenen Ausprägung, bzw. Harmonie dieser vier Aspekte. Hat ein Schüler beispielsweise eine ausgeprägte Arbeitseinstellung, gleichzeitig aber eine weniger starke Fähigkeit in der Gruppe zu kommunizieren, weil es ihm an Selbstbewusstsein fehlt, so würde dies für Unausgeglichenheit sprechen. Durch Gespräche mit Eltern und Lehrern würde dann auf Schwächen aufmerksam gemacht und gemeinsam versucht werden, daran zu arbeiten. So sollen die Schüler auf das Leben vorbereitet werden und sich Werten wie Selbstbewusstsein, Respekt und Toleranz bewusst werden.
Eine zwingend erforderliche Voraussetzung für die Umsetzung einer solchen Schulform ist meiner Meinung nach die vertrauensweckende und angenehme Lernatmosphäre der Schule. Die gute Beziehung zwischen Lehrern und Schülern fällt sofort auf. Alle gehen respektvoll und herzlich miteinander um, es werden zusammen Witze gemacht, es gibt keine Förmlichkeiten, es wird zusammen gegessen, gelacht, getanzt, gespielt, sich umarmt und das Miteinander wirkt wie in einer großen Familie. Gerade deswegen gefällt mir die Schule sehr.

Ich hoffe, dass ich schon mal einen ersten Eindruck von der Schule weitergeben konnte. Ich selber weiß bis jetzt leider nur sehr wenig darüber und bin schon gespannt zu erleben wie es tatsächlich funktioniert, bzw. umgesetzt wird. In meinen nächsten Einträgen werde ich näher darauf eingehen und dann auch von meiner eigentlichen Arbeit und meinem sonstigen Umfeld erzählen.


Leider hat es gerade mit dem Hochladen von Dateien nicht geklappt. Fotos aus den letzten Tagen folgen bei nächster Gelegenheit ...

Freitag, 1. Oktober 2010

Bauprojekt in Montebello


Nachdem wir letzten Woche noch die vielen Formalitäten klären mussten, die für den Aufenthalt in Kolumbien notwendig sind, hatten wir in dieser Woche endlich einen geregelten Tagesablauf mit fest zugeordneten Aufgaben. Seit Montag haben wir uns an der Schule in Montebello Bauprojekte vorgenommen, die das Schulgelände erweitern sollten. Aber bauen? Wieso machen wir denn sowas? Die Idee, die dahinter steckt, ist ganz einfach. Das Ziel in der Woche war es innerhalb der Gruppe den Zusammenhalt zu stärken und gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Gleichzeitig sollte dies eine Eingewöhnungsphase sein, in der wir uns an die neue Umgebung und das Klima gewöhnen konnten.

Schutz vor dem Regen unter der Überdachung

Doch leider hat die Umsetzung der Projekte in Montebello nicht ganz so gut geklappt wie erwartet. Nach den ersten drei Tagen, ist plötzlich mehr als die Hälfte der 20 Freiwilligen krank geworden und viele Projekte konnten nur langsam, oder in manchen Fällen sogar gar nicht, fortgeführt werden. Dazu kam noch, dass sich der Aufwand zum Teil als wesentlich größer als vermutet dargestellt hat und eine Woche auch bei voller Besetzung zu knapp gewesen wäre. Ich selber konnte mich immerhin darüber freuen, gesund geblieben zu sein und habe das Glück gehabt an einem Projekt mitzuarbeiten, das, obwohl wir es nicht ganz beenden konnten, insgesamt doch sehr erfolgreich verlaufen ist.

Meine Aufgabe war es, mit ein paar anderen Freiwilligen für die Kinder eine Tischtennisplatte zu bau. Was auf den ersten Blick einfach klingt, stellte sich als durchaus umständlich dar, vor allem da das Schulgelände extrem bergig ist und wir uns zu allererst eine ebene Fläche graben, bzw. haken mussten. Alleine dafür haben wir schon zwei volle Tage gebraucht. Um mich an dieser Stelle jedoch möglichst kurz zu fassen, versuche ich unsere Fortschritte mit Fotos zu dokumentieren:

Die ersten beiden Tage: hacken....
... und schaufeln
Den Untergrund plätten
Nochmal hacken und schaufeln
Mit Zement...
...Stahlstäbe fixieren
Das Fundament steht
Bambusstäbe als Tischfüße
Der Bambus wird einbetoniert
Die Form für die Tischtennisplatte wird gebaut...
... und aufgesetzt
 Leider mussten wir heute an dieser Stelle unsere Arbeit beenden. In den nächsten Tagen müsste dann nur noch der Beton angemischt und in die Form gefüllt werden. Die Stahlstäbe werden vorher in die Form gebogen und sollen dem Tisch mehr Stabilität geben. Wirklich schade, dass ich die Tischtennisplatte wahrscheinlich erst in einigen Monaten ausprobieren kann.

Dienstag, 28. September 2010

Leben in Kolumbien


„Gringo!“, diese Bezeichnung hören wir oft, wenn wir durch die Straßen von Cali gehen. Dabei bedeutet dies so viel wie Ausländer und ist sicherlich nicht als Kompliment zu verstehen. Mit unseren zum größten Teil blonden Haaren und der hellen Haut fallen wir natürlich sofort auf. Selbst vollkommen ungewollt und ohne etwas zu tun, erregen wir in der Stadt schon große Aufmerksamkeit, denn Europäer, wie wir es sind, sieht man hier sonst gar nicht. Gelegentlich bleiben einige der Kolumbianer beim Vorübergehen stehen und schauen uns erstaunt hinterher. Einmal fragte uns eine Frau sogar, ob sie ein Foto machen könnte, auf dem wir uns zusammen mit ihrer Tochter aufstellen sollten. Schade daran ist, dass wir so leider immer wieder daran erinnert werden, dass wir von weit weg kommen und Fremde in Kolumbien sind.

Doch trotz alledem sind die Menschen hier sehr herzlich und bringen uns viel Offenheit entgegen. Viele grüßen uns mit einem freundlichen Gesicht und beinahe alle reagieren auf Fragen mit großer Hilfsbereitschaft. Das schlechte Bild, das viele von Kolumbien haben, ist zum größten Teil unbegründet. Konnotationen, die an Drogen, Kriminalität, Unsicherheit und Terrorismus denken lassen, sind nur auf einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung zurückzuführen und werfen zu Unrecht schlechtes Licht auf das gesamte Land.
So ging auch ich mit dem Gefühl, mich vielen Gefahren auszusetzen und auf viele Freiheiten, wie beispielsweise das unbeschwerte Fortbewegen im Alltag, verzichten zu müssen, nach Kolumbien. Zu meiner Überraschung konnte ich nach meiner Ankunft jedoch feststellen, dass von der Unsicherheit und der Unruhe wenig zu spüren ist und man sich mit bestimmten Verhaltensregeln relativ sicher fortbewegen kann. Dazu gehört, dass wir uns immer in kleineren Gruppen befinden, bestimmte Stadtteile oder Gegenden meiden und nie viel Geld oder Wertsachen bei uns tragen. Ein bisschen etwas sollten wir aber immer dabei haben, um im Fall etwas abgeben zu können.
Ganz unbedenklich ist der Aufenthalt wohl nicht, jedoch konnten wir in der ersten Woche schon Vieles auf eigene Faust erkunden.

Gefährliche Gegend?